Um etwa 5 Uhr in der Früh wage ich einen Blick aus dem Zelt und staune
über die malerische Morgenstimmung, welche sich über den mächtigen
Fesltürmen präsentiert. Etwas später kochen wir uns einen Kaffee auf
und bauen unser Zelt ab. Unser nächstes Ziel ist der Prosllopit Pass,
wobei wir nach nur wenigen dutzend Höhenmetern nach unserem Zeltplatz
bereits im Schnee herumstochern. Das Gelände präsentiert sich
mehrheitlich sanft und flach, weshalb der südseitige Aufstieg zur
Passöhe trotz Schnee kaum ein Problem ist. Der Pass repräsentiert
zudem auch die Landesgrenze zwischen Albanien und Montenegro.
Den Prosllopit Pass erreichen wir somit in winterlichem
Erscheinungsbild. Die Abstiegsroute können wir nur erahnen, da
nordseitig aufgrund von Windverfrachtungen und weniger Sonnenstunden
massiv mehr Schnee liegt als noch auf der Südseite beim Aufstieg. Wir
montieren deshalb unsere Grödel und machen uns vorsichtig an den
Abstieg. Zwei stellen waren etwas heikel - heikler als der Valbona
Pass -, da zum einen ein grosser und eher steiler Hang gequert und am
Schluss davon eine steile Passage überwunden werden musste.
Der Abstieg vom Prosllopit Pass ist die erste Stelle des Peaks of the
Balkans, welche aufgrund der hohen Schneemengen etwas Geschick
abverlangt und uns damit auch etwas Zeit kostet. Nach dem Abstieg
erreichen wir Bora in Montenegro und befinden uns bereits wieder im
Frühling. Have a good one, guys! ruft uns dort ein anderer
Trekker zu, der gerade sein Zelt abgebaut hat. Nach einer kurzen Pause
geht es für uns weiter zum Borit Pass, welcher uns wieder nach Çerem
in Albanien zurückführt. Das Dorf wirkt sehr urspünglich und es
gleicht mehr einer Siedlung als einem Dorf - leider finden wir keine
Einkaufsmöglichkeit, wo wir uns mit einem Süssgetränk hätten stärken
können.
Dennoch geht für uns die heutige Tagesetappe noch weiter. Wir
überwinden noch einen weiteren, sehr schneereichen Pass, um
schliesslich nach Doberdol zu gelangen. Doberdol ist eine idyllische,
ziemlich abgelegene Alpensiedlung im Hochgebirge von Albanien. In
einem lokalen Gasthaus belohnen wir uns für die heutige Etappe mit
einer Cola, bevor wir etwas ausserhalb der Siedlung unser Zelt
aufstellen und den Blick in die um uns liegenden, mit Schnee bedeckten
Berge geniessen.