Stotzigen Firsten

Skitour 17.05.2026

Die Eisheiligen haben in den letzten Tagen nochmals etwas Winter in den in weiten Teilen der Schweiz bereits eingekehrten Frühling eingebracht. Obwohl ich mental bereits mit der Skitourensaison abgeschlossen habe, überlege ich mir, ob ich nochmals auf eine Tour gehen sollte. Den Gedanken verwerfe ich schnell wieder – doch eine gute Kollegin von mir beschäftigt sich mit der exakt gleichen Idee. Wir beginnen eine geeignete Tour zu suchen. Da die Lawinensituation angespannt ist, gehen wir folgenden Kompromiss ein: Eine relativ sichere Tour führt uns von Realp aus auf den Stotzigen Firsten, jedoch werden wir die Skier die ersten drei- bis vierhundert Höhenmeter tragen müssen. Vom wenigen Schnee lassen wir uns nicht entmutigen, sondern interpretieren die Tour als ein kleines Frühlingsabenteuer.

Bei der Anfahrt durch das Urserental erkennen wir zum einen, dass in den höheren Lagen reichlich Schnee liegt. Andererseits realisieren wir, dass der Schnee sich doch schon weiter nach oben zurückgezogen hat als bei der Planung angenommen. So laufen wir mit den Skiern auf dem Rucksack in Realp los in Richtung Stotzigen Firsten. Ein Älpler gibt uns zu Beginn der Tour noch mit auf den Weg, dass es immer gut sei, ein Ziel vor Augen zu haben. Motiviert steigen wir also hoch zu unserem ersten Zwischenziel – dem ersten Schneefleck im Hang oberhalb der Alp Meder.

Stotzigen Firsten
Göschenen
Stotzigen Firsten
Aufstieg Meder
Stotzigen Firsten
Aufstieg Meder
Stotzigen Firsten
Aufstieg Unter Deieren
Stotzigen Firsten
Urserental

Geschafft, Schneefeld erreicht! Zuerst folgen wir einer dünnen Schneeschicht, welche in relativ kurzer Distanz immer solider wird. Am Ende des grossen Rückens, etwas oberhalb von Unter Deieren, erreichen wir nun das erste Zwischenplateau und befinden uns inmitten des Winters. Die Sicht ist besonders klar und das umliegende Bergpanorama präsentiert sich prächtig unter dem dunkelblauen Himmel. Bei der Alp Gässler machen wir eine Pause, und stärken uns für die letzten rund 400 Höhenmeter Anstieg bis zum Gipfel.

In der Ebene kurz vor dem Schlussanstieg zum Gipfel höre ich ein plötzliches, peitschendes Scheppern und glaube zuerst, gerade einen Unfall oder Absturz gehört zu haben. Doch als meine Kollegin kein Geräusch gehört hatte, realisieren wir, dass dies womöglich ein «Wummgeräusch» war. Da wir die einzigen Personen im Gelände sind und die erste Spur ziehen, hat sich womöglich die Schneedecke unter uns entladen und sich in ihr Risse gebildet. Nur wenige Meter weiter kommen wir rasch zum Schluss, dass wir nichts riskieren wollen und den Gipfel für heute weglassen. Somit fellen wir ab und machen uns an die Abfahrt entlang der Aufstiegsspur. Für den Gipfel reicht es heute zwar nicht, dafür aber für eine Abkühlung in der Furka-Reuss – bevor wir etwas später den 15:05 Zug zurück nach Luzern nehmen.

Stotzigen Firsten
Aufstieg Gässler
Stotzigen Firsten
Aufstieg Lägeten Firsten
Stotzigen Firsten
Stotzig Muttenhorn
Stotzigen Firsten
Schattigen Firsten
Stotzigen Firsten
Furka-Reuss

Reflexion

Schwierigkeitsgrad (SAC)
WS

Skitourenguru (bei Erheblich 3-)
0.73

Schneeprobleme (Bulletin)
Neuschnee, Altschnee (über 2'600 m, Erheblich 3-) und Nassschneelawinen (Gering, 1). Der Lawinenwarndienst hat derzeit wenig Informationen aus dem Gelände, weshalb die Lawinengefahr vor Ort besonders gründlich überprüft werden muss.

Gefahren (Literatur)
Keine

Schlüsselstellen
Keine nennenswerten Schlüsselstellen

Dauer (erwartet)
5h (davon Aufstieg 3h 30)

Dauer (effektiv)
5h (davon Aufstieg 3h 30). Die "Punktlandung" muss relativiert werden: Einerseits sind wir nicht bis zum Gipfel hoch, andererseits konnten wir die Skier erst weiter oben anziehen als ursprünglich angenommen.

Wetter (erwartet)
Sonnig und einige Wolken. Wenig Wind, bei Tourenstart eher kalt. Klare Sicht aufgrund trockener Luft.

Wetter (effektiv)
Temperatur deutlich wärmer als erwartet (bereits beim Start). Während des Aufstiegs weitaus sonniger als erwartet (kaum Wolken).

Schneeverhältnisse (erwartet)
Kurz nach Punkt "Meder" sollten wir auf einer Höhe von ca. 1'850 M.ü.M. die Skier anziehen können. Spätestens nach "Unter Deieren" sollte die Schneedecke solide sein (keine "Flecken"). In der zweiten Hälfte der Skitour evtl. noch etwas Pulver des Schneefalls der letzten Tage.

Schneeverhältnisse (effektiv)
Der erwartete Übergang von Gras zu Schnee ist deutlich höher als angeommen (ca. 200 hm weiter oben, d.h. bei 2'050 M.ü.M.). Ab dem Zwischenplateau nördlich von "Unter Deieren" waren die Schneeverhältnisse aber sehr gut, wobei die Schneedecke rasch feucht wurde im Verlauf des Tages. Bei der Abfahrt mogelten wir uns durch Büsche von Schneefeld zu Schneefeld, sodass wir ca. auf 1'900 M.ü.M. herunterfahren konnten.

Was nicht gut lief
Bekannte Skitour und damit keine Zwischenfälle. Positiv, dass wir uns nach dem Wummgeräusch vorsichtshalber für eine Umkehr entschieden haben, und den Gipfel heute nicht mehr bestiegen haben.

Karte